05/2013

b.feuert: Kohle vs. Gas

Das gleiche Fleisch, die gleichen Würstchen, das gleiche Gemüse. Wir lassen in unserer Mittagspause zwei Grillmethoden gegeneinander antreten. Kohle gegen Gas, der Klassiker gegen den Herausforderer. Möge der Bessere gewinnen.

Kohle
Gesundheit, Qualm, Schnarch. Es gibt keine Argumente gegen Holzkohle. Zumindest keine, die es verdient hätten, gehört zu werden. Denn es ist wie es ist: Aromen lassen sich nicht wegdiskutieren.

Zugegeben, die schwarzen Klumpen, die unter dem Rost vor sich hin glühen, sehen nicht unbedingt aus wie Geschmacksträger. Und beim Ausschütten des Beutels versuchen wir alles, um nicht mit ihnen in Kontakt zu kommen. Der Staub ist leider sowieso überall. Vom anfänglichen Qualm kaum zu sprechen. Aber das gehört einfach dazu. Deshalb hat sich für unseren Test auch schnell jemand für den Holzkohlegrill gefunden: Flo, seines Zeichens Grafiker und Feinschmecker. Wenn die anderen in der Mittagspause Fastfood bestellen, bringt er sich etwas leckeres Selbstgemachtes mit. So einer kennt sich aus. 

Das Grillanzünden geht leicht von der Hand. Nach etwas mehr als zwanzig Minuten hat die Kohle die richtige Farbe. Weiß bis glühend rot. Es wird Zeit für das Grillgut. Nur wenige Zeit später landen Fleisch und Würstchen bereits auf dem Teller. Schön braun sind sie geworden. Sagen die einen. Krebserregend schwarz nennen es die anderen. Schnell ist klar, dass hier zwei Fraktionen aufeinandertreffen. Der Besitzer des Gasgrills auf der einen Seite. Der Rest auf der anderen. Ob sich das nach dem Geschmackstest ändert? Wir wissen es noch nicht. Der Gasgrill braucht ein bisschen länger.

Die meisten sind skeptisch, was das Grillen mit Gas angeht. Schließlich sei essen ja keine Frage der Vernunft. Hier entscheide der Bauch. Und der will nichts hören davon, dass in die Glut tropfendes Fett sich in krebserregende Dämpfe verwandelt. Der will, dass es schmeckt. Und das tut es, wie die Testesser bestätigen.

Es ist ein bisschen windig heute, die Asche verteilt sich im ganzen Garten. Auf den Klamotten. Und auf dem Essen. Mittlerweile ist auch die erste Fuhre vom Gasgrill auf dem Tisch. Ob die umherfliegende Asche das Testergebnis verfälscht? Die lautesten Kritiker sprechen von der einzigen Chance, überhaupt etwas Geschmack ans Fleisch zu bekommen.

Liegen gelassen wird es jedenfalls nicht. Die meisten sind sogar der Meinung, dass der Geschmacksunterschied gar nicht so besonders groß ist. Die Mehrheit will aber weiter nicht verzichten auf all das, was ganz rational betrachtet einfach lästig ist. Vielleicht, weil es den Unterschied ausmacht zum Kochen in der Küche. Und weil es gut tut, manchmal die moderne Komfortzone zu verlassen. Um ganz archaisch Fleisch über der Glut zuzubereiten.

Männer wollen Feuer machen, na klaro. Sie gehen ja auch morgens mit der Keule auf der Schulter zur Arbeit, schon klar. Verbrennen sich am Grill abends die Haare auf den Unterarmen und lassen nur pfundweise Fleisch, von Fett durchzogen, auf den glühenden Rost. Geht es eigentlich noch vorsintflutlicher? Es ist mit dem Holzkohlegrill doch immer das gleiche: erst geht das Feuer nicht an, dann ist die Glut zu heiß. Der Griller kennt die Gäste nur vom Hörensagen, weil er ständig damit beschäftigt ist, aufzupassen, dass nichts anbrennt. Vergeblich, versteht sich. Von den Krankheiten, die da in der schwarz-krossen Kruste schlummern, ganz zu schweigen. Es gibt keinen guten Grund mehr, auf den Holzkohlegrill zu setzen. Der Geschmack ist es nicht, der Komfort schon lange nicht. Und ist es wirklich männlich, mit rußverschmierten Händen zum Essen zu erscheinen, die Stirn verschwitzt, das Hemd von Fettspritzern durchtränkt. Neandertal? War früher. Und wissen Sie was das Erstaunlichste daran ist? Das hier, das schreibt ein Mann. Keine Memme.

Gas
Es gibt wenige Märchen, denen selbst erwachsene Männer noch Glauben schenken. Das vom Gasgrill und den fehlenden Aromen ist dabei eines der populärsten. Die Wahrheit ist: Wer saftiges Fleisch will, grillt mit Gas.

Die Holzkohle glüht und lodert schon fast zwanzig Minuten, als der Gasgrill eingeschaltet wird. Per Knopfdruck. Einfacher geht‘s nicht. Schneller auch nicht. Am Gasgrill steht Jan, Webentwickler und eigentlich kein großer Fan des Grillens, eher ein Freund der Pfanne. Vielleicht kommt es ihm entgegen, dass der Grill funktioniert wie ein Gasherd. Jedenfalls weiß er sofort, was zu tun ist. 

Hier geht es deutlich gemächlicher zu als am Holzkohlegrill. Mit niedriger Temperatur, damit das Fleisch schön saftig bleibt. Außen knusprig wird es trotzdem. Zwar war kein Blindtest geplant, aber kaum einer behält den Überblick darüber, welches Fleisch von welchem Grill kommt. Geschmeckt haben sie alle. So viel zu den fehlenden Aromen. Auch wenn es auf den ersten Blick komplizierter aussieht – es ist leichter, das gewünschte Ergebnis zu bekommen. Weil hier deutlich mehr variiert werden kann als bloß die Höhe des Rostes. Die Temperatur kann ganz einfach per Drehschalter reguliert werden. Wo es am Holzkohlegrill schon mal hektisch wird, kann Jan das Grillgut ganz in Ruhe garen. Eigentlich stört nichts die perfekte Grill-Idylle. Abgesehen von den Sprüchen der Holzkohlefans. Und der herüberwehenden Asche vom Nachbargrill. Auch bei Würstchen und Gemüse ist das Geschmacksurteil der Tester einhellig. Kein Unterschied. Fehlende Aromen bemängelt nur einer. Der Besitzer des Holzkohlegrills. Aber das ist ja nicht verwunderlich. Etwas verwunderlicher ist da schon das Fazit unseres Tests: Das Grillen mit Gas ist komfortabler. Es schmeckt genauso gut. Aber eine kurze Umfrage ergibt, dass die meisten der Holzkohle trotzdem treu bleiben wollen. Wieso? Viele Antworten beginnen mit „irgendwie“. Ein Gasgrill ist irgendwie spießig. Ist irgendwie kein richtiges Grillen. Ist irgendwie einfach nichts für mich. So richtig überzeugt vom Gasgrill? Ist am Ende immer noch nur einer.

Wok
Der Wok. Unser Test außerhalb der Konkurrenz. Weil es nicht ums Grillen geht. Aber auch dieser Wok ist etwas für draußen. Er kommt mit einem passenden Tongefäß für das Feuer. Also suchen wir etwas unkonventionell Brennholz zusammen, zünden es an und warten, bis es sich einigermaßen ausgequalmt hat. Dass Kräuterbutter das Erdnussöl ersetzt, mögen uns die Asiaten verzeihen. 

Auf jeden Fall wird der Wok richtig schnell richtig heiß. Das Gemüse lässt sich super zubereiten. Nur die Fleischstreifen sind leider etwas zäh. Aber das schieben wir mal darauf, dass wir uns dann doch mehr auf das Grillen konzentriert haben. Eine willkommene Abwechslung für den Sommer ist so ein Garten-Wok auf jeden Fall. 

Wir sind kein Magazin, das nur das schreibt, was bezahlt wird. Das nicht trennt zwischen Anzeige und redaktionellem Teil. Soll es ja geben. Bei uns aber: alles neutral. Also wollten wir inkognito Fleisch und Salat, Ketchup und Senf einkaufen. Einer aber ist uns zuvor gekommen. Matthias Wibbeler lieferte frei Haus für einen fast schon peinlich geringen Obolus. Was soll man dazu sagen? Danke Matze! Und vor allem: Es hat wunderbar geschmeckt!

Und wer noch nicht genug hat: Hier gibt's den Grill-Wettkampf aus dem neuen Bündesbürger als Video! Lecker!