02/2011

Tierischer Einblick

Tag der offenen Tür an der Gesamtschule

Freut er sich nun, weil so viele kommen, sich mit ihren Kindern umschauen, sich informieren, mit dem Gedanken spielen, hier ihre Anmeldung abzugeben? Oder sind es doch etwas viele?

Andreas Stork, Schulleiter an der Rödinghauser Gesamtschule, sieht dem Ansturm eher gelassen entgegen, „ist doch schön, wenn es hier so vielen gefällt“. Dabei müssten es nicht so viele wie im Vorjahr sein, die hier angemeldet werden. Denn bei 120 ist die Grenze, die Vierzügigkeit will und kann nicht aufgegeben werden. Und so entschied – und entscheidet wohl auch in diesem Jahr – das Losverfahren über die Plätze, die hier zu vergeben sind. „Wir sind von den Räumlichkeiten einfach eingeschränkt, können immer genau vier neue fünfte Klassen einrichten, mehr ist nicht drin“, erklärt Andreas Stork den Fragenden. Und empfindet das eher als Vorteil. „Uns zeichnet es aus, dass hier jeder jeden kennt, es geht familiär zu, wir als Lehrer können uns viel besser um jeden einzelnen kümmern“, so Stork. Ein Argument, das auch viele Eltern überzeugt. Also kamen viele, sehr viele zum Tag der offenen Tür in die Gesamtschule. Informierten sich vorab beim Infoabend und sahen sich an, was ihre Kinder erwartet, wenn sie zur Gesamtschule Rödinghausen wechselten. Viele Schüler zeigten ihren potentiellen Mitschülern, wie Unterricht am Wiehen aussieht. „Natürlich kann man mit Büchern erklären, dass Mäuse viel besser mit Körnern als mit Speck gefangen werden können – aber überzeugt das?“, fragt sich nicht nur der Schulleiter. Also wurden weiße Mäuse angeschafft, die nun durch ein hölzernes Labyrinth laufen und so auf Körnersuche gehen. Maren und Leon Brockmann, beides Jugendliche, die sich  für Maus und Schule gleichermaßen interessieren, schauen gerne zu und sehen so, wie ihr Schulalltag bald aussehen könnte. Weiter geht es in den Versuchsraum der Physik; Schalter, Kabel und Leuchtdioden zeigen hier, was mit einfachen Versuchsaufbauten möglich ist. Ein paar Meter weiter der Musikraum. Einfach hinsetzen und zuhören ist auch hier für die Viertklässler nicht möglich. „Wir wollen ihnen schon am Tag der offenen Tür zeigen, dass bei uns das Mitmachen gefördert wird, dass es nicht nur um theoretisches Wissen, sondern auch um die praktische Anwendung geht“, erklärt An­dreas Stork. Also greift sich jeder Viertklässler ein Instrument und legt los, findet den Rhythmus, wird Teil eines improvisierenden Orchesters. Draußen vor der Tür steht Svenja Bietendüwel mit dem nächsten Höhepunkt. Auf ihren Händen balanciert „Honey“, ein honiggelber Leopard-Gecko, der die staunenden Blicke der zukünftigen Fünftklässler erntet. Weiter die Treppe rauf, rein in einen Klassenraum, der schnell in ein kleines Theater umgebaut wurde. „Dinner for one“ wird hier gegeben, mehrere Male, in fließendem Englisch und ebensolchem Leitungswasser, das aus einer Weinflasche in die Gläser von Miss Sophie und ihren Gästen schießt. So vorgetragen, lernen die interessierten Eltern hier, wie Literatur, Theatergeschichte, Schauspiel und Fremdsprache spannend miteinander verbunden werden. „Wichtig ist uns, dass wir uns an diesem Tag der offenen Tür so präsentieren, wie wir auch im Alltag sind“, unterstreicht Andreas Stork. Kein Höhepunkt also, den es nicht an jedem normalen Schultag auch geben könnte. Flankiert werden die Klassenbesuche natürlich auch vom Gesprächsangebot von Schulleitung und Klassenlehrern. Da erfahren die Eltern auch, dass das Abitur nach 12 Jahren an der Gesamtschule so nicht stattfindet. „Wir haben diesen Druck nicht, geben unseren Schülern  auch weiterhin 13 Jahre Zeit. Und das macht uns für sehr viele Eltern und Schüler inte­ressant“, weiß Andreas Stork. Ein Hauptargument, die Gesamtschule zu besuchen, sei auch die Tatsache, dass den Schülern sehr lange viele Bildungswege offen stünden, erklärt der Schulleiter den Fragenden. Erst vergleichsweise spät müsse sich entschieden werden, welcher Abschluss anvisiert wird, „und das nimmt den Druck, den die Kinder sonst  von allen Seiten und häufig wohl auch zu stark spüren“, so Andreas Stork. Am Ende werden es dann wieder deutlich mehr als 120 Anmeldungen sein, die die Schulleitung erhalten wird. „Es kommen ja nicht nur Schüler aus Rödinghausen, sondern auch aus Preußisch Oldendorf und Melle, die natürlich den Luxus genießen, dass sie von Rödinghauser Bussen abgeholt und wieder weggebracht werden“, so Stork, der aber davon ausgeht, dass die Rekordmarken der Vorjahre in diesem Jahr dann doch nicht geknackt werden.