04/2011

Die Freude überwiegt

Horst Finkemeier im Gespräch

Die Frage beschäftigt derzeit nicht nur auf den Fußballplätzen der Region viele. Warum kümmert sich einer, der doch seinen Ruhestand, seinen kaufmännischen Erfolg genießen könnte, um den SV Rödinghausen? Angefangen hat alles, erzählt Horst Finkemeier, mit seinem Enkelsohn Jan. Der bestritt beim SVR vor Jahren sein erstes Spiel in einer Jugendmann­schaft, doch Trikots und Ho­sen sahen nicht mehr so aus, als wenn man damit wirklich noch auflaufen könnte, be­fanden Vater und Großvater. Also gab Horst Finkemeier Geld, um einen neuen Trikotsatz kaufen zu können. Einige Zeit später trat die Vereinsführung an ihn heran und bat um ein intensiveres Sponsoring. Auch das gewährte der Unternehmer. Aber als es anfangs der Saison sportlich immer sehr gut mit der ersten Mannschaft aussah, zur Mitte hin jedoch immer wieder der Absturz erfolgte, kümmerte sich Horst Finkemeier nicht nur finanziell um die Mannschaft. Sondern schaute bei den Spielen, beim Training vorbei. Und stellte irgendwann fest: Hier fehlt eine organisierende Hand. Was in der Küchenindustrie klappte, sollte auch hier funktionieren. Dass daraus aber mal der Bau eines solchen Stadions werden sollte, hat er damals nicht geahnt. Und manches Mal wundert er sich noch heute, warum er sich dazu entschieden hat. Denn die Arbeiten rund um den Stadionbau, die  Nachmittage, an denen er sich um die Zusammenstellung der neuen Mannschaft kümmert, neh­men immer weiter zu. 

Aber die Freude, der Stolz, wenn Horst Finkemeier am Sonntag am Spielfeldrand steht und der Rödinghauser Mannschaft zusieht, wiegen all diese Mühen auf. Er fühlt sich, er ist einer von ihnen. Einer, der sich seiner Heimat verbunden fühlt. Da bezeichnet er sich selbst schon mal als Lokalpatriot, als einen, der hier in Rödinghausen viel Erfreuliches erleben durfte. Und nun einen Teil davon zurückgeben möchte – so einfach sei das.

Natürlich gebe es immer Neider, solche, die nicht verstehen können, warum einer sein Geld für ein Fußballstadion ausgibt. Aber ist das nicht seine Sache? Und weiter: Ist es nicht besser, der Jugend ein faszinierendes sportliches Zuhause zu geben, als irgendwo im Ausland zu investieren? Profitieren werden alle von dem Bau, da ist sich Horst Finkemeier sicher. Das Stadion wird ein Publikumsmagnet werden. Eingeweiht wird es aber erst Mitte Mai, die Arbeiten verzögern sich ein wenig, die offizielle Abnahme steht noch aus. Erst durch sie wird seitens des DFB festgelegt, bis zu welcher Spielklasse hier gekickt werden darf. Westfalenliga wird es aber auf jeden Fall sein – und die ist das erklärte Ziel von Horst Finkemeier. Sechs bis acht neue Spieler sollen jetzt zum SVR kommen, um auch in der Landesliga gleich um den Aufstieg mitkämpfen zu können. Und es sei nicht so, dass er auf fremde Spieler zugehen müsse. Bestes Beispiel ist dabei der neue Trainer. Der bat selbst um einen Gesprächstermin bei Horst Finkemeier – langsam scheint sich auch überregional herumzusprechen, dass hier jemand Visionen lebt und Perspektiven bietet. 

Wie genau die Stadioneinweihung aussehen wird, ist derzeit noch ungewiss. Klar ist aber schon, dass keine teuer bezahlten Bundesligisten auflaufen werden. Dann soll viel eher – vielleicht in einem kleinen Turnier – die heimische Elf gegen einen oder mehrere Regionalligisten antreten, denn der Besucher soll das zu sehen bekommen, was schon die gesamte Saison über nicht nur Horst Finkemeier fasziniert: die eigene Mannschaft.