07/2011

Abgehoben

Modellsportclub lässt Fliegerträume wahrwerden

Die Faszination? Der Antrieb, sich auf eine sonnenüberflutete Wiese zu stellen, den Wind im Gesicht, die Hand am Modell­flieger? Und dann eine beherzte Wurf­bewegung, der Flieger in der Luft, die Hände an der Fernbedienung? „Das muss einfach die Begeisterung am Fliegen sein“, erklärt sich Christian Hanke, Zweiter Vorsitzender des Modellsportclubs, kurz MSC Bussard Rödinghausen, seine und die Faszination seiner Vereinskameraden.

Ein sonniger Mittwochabend Ende Mai, die Sonne taucht den Flugplatz vor Höpkers Holz in eine warmes Orange, Männer mit dicken Funkfernbedienungen um den Hals blinzeln hinter Sonnenbrillen in den Abendhimmel. Hubschrauber, Düsenjäger, Propellerflugzeuge und Segelflieger drehen ihre Runden, dirigiert von Menschen am Boden, gleitend, brausend, flitzend durch den Abend­himmel. Schwer sei es anfangs, das Flugzeug in der Luft zu halten, das Gefühl für das Gleiten, das Fliegen, vor allem das richtige Landen zu bekommen. Kein Wunder also, dass die meisten Piloten auch Bastler sind. „Es ist die Kombination aus beidem, die dieses Hobby ausmacht“, erklärt dann auch Christian Hanke. Der fand gemeinsam mit seinem Sohn zu dieser Freizeitbeschäftigung, begann mit einem kleinen Flieger, hangelte sich, arbeitete sich hoch und lässt nun schon größere Flugzeuge in den Himmel steigen. Dabei ist größer nicht gleich schwerer, denn durch die Verwendung einer speziellen Leichtbauweise, durch den Einbau gewichtsreduzierter und doch leistungsfähiger Batterien kommt kaum ein Flieger hier auf ein Gesamtgewicht von über einem Kilogramm. Leichtgewichte kreisen also über Pilotenhäuptern, angetrieben von leisen Elektromotoren, deren Sound das gut 3.200 Quadratmeter große Areal rund um den Flugplatz nicht verlässt. 

Natürlich kann der Interessierte so einem Hobby auch alleine nachgehen, gerade winzige Hubschraubermodelle sind in Mode gekommen und fliegen nun durch Wohnzimmer und Wohngebiete. „Kaum ein Pilot macht sich aber Gedanken über eine Versicherung, denkt daran, was passieren kann, wenn sein Flieger über einem Auto abstürzt“, warnt Christian Hanke. Im Verein ist die Versicherung inklusive. Und fliegt es sich nicht viel besser in Gemeinschaft, lässt sich hier nicht Interessantes von alten Fliegerhasen abschauen? Lernen, das wissen alle hier, ist teuer. Denn wer lernt, der stürzt ab. Sucht, den Blick nach unten gerichtet, über den Platz wandernd den Boden nach Propeller oder Flugzeugnase, Elektroteil oder Tragflächenstück ab. Es gebe auch Zusammenstöße in der Luft, sicher. Aber die seien sehr, sehr selten. Und am Ende doch nicht zu verhindern, denn der Blick ruhe ja immer auf dem eigenen Flieger. Und nur selten auf dem des Nachbarn, erklärt der Zweite Vorsitzende. 

Frauen sind Mangelware, auf Flugplatz wie im Verein gleichermaßen. Das Fliegen sei dann wohl doch eine männliche Domäne, erklären sich die Piloten dieses Phänomen. Auf die Frage, ob es nicht jucke und reize, selbst einmal ein Flugzeug zu besteigen, selbst in die Lüfte zu steigen, ist die Antwort eine ganz einfache. „Wieso, wir fliegen hier doch“, sagt Christian Hanke. Und fügt noch an, dass das Fliegen vom Boden viel vielseitiger sei, das Basteln, das Ringen um Gewicht und Akkulaufzeit zur reinen Flugbegeisterung noch hinzukomme. 

Wer diese Faszination einmal selbst erleben möchte, wer versierten Piloten über die Schulter schauen, kühne Flugmanöver in der Luft beobachten möchte, der kann dies am 33. Geburtstag des MSC Bussard Rödinghausen tun. „Profis wie Anfänger stehen dann Rede und Antwort und zeigen, wie mit Fingerspitzengefühl ein Flieger zum Fliegen gebracht werden kann“, so Christian Hanke.