05/2012

Unter Strom gen Rödinghausen

Mit dem Kanu auf der Else

„Paddeln? Geht eigentlich immer. Im Winter im Hallenbad und im Sommer natürlich draußen auf der Else“, sagt Alexandra Gembruch, gibt sich und ihrem kleinen Paddelboot einen Schubs 
und rutscht in den Fluss.

In diesem Jahr konnte dank des guten Wetters das traditionelle Anpaddeln sogar vorverlegt werden, „sonst sind wir immer am 1. April gestartet, jetzt konnten wir schon Mitte März die ersten Paddelboote zu Wasser lassen“, freut sich die Rödinghauserin, die sich beim Kanu- und Segelclub in Bünde als Jugendwartin um die jungen Paddler kümmert.

Von der Else in Bünde aus geht es in Richtung Westen, „immer der Nase nach, und jetzt, wo der Wasserpegel noch nicht allzu sehr abgesunken ist, gerne auch bis nach Bruchmühlen und weiter gen Westen“, sagt die 41-Jährige. Mit 15 Jahren hat sie die Liebe zur Paddelei entdeckt – und ist seitdem nicht mehr losgekommen von dieser Leidenschaft. Auch ihre beiden Söhne paddeln, der eine nur noch selten, der andere aber voller Enthusiasmus und auch bei der ersten Ausfahrt mit von der Partie. Dabei gilt es hier nicht nur, die Balance im Boot zu halten, das Paddel so in das Wasser einzutauchen, dass die Kraft möglichst perfekt umgesetzt werden kann. Spätestens am Ahler Stau müssen geübte Paddler noch ganz andere Qualitäten beweisen. „Hier ist kein Durchkommen. Da heißt es aussteigen, Boot aus dem Wasser, umtragen, rein mit dem Boot ins Wasser und weiter“, so die pragmatische Erklärung. Was dann geschieht, lässt sich nur erleben, kaum erklären. Wenn die Paddelbotte fast lautlos durch den sich schlängelnden Fluss schieben, wenn das Paddel ruhig eintaucht, ohne zu spritzen in der Luft schwebt, um dann wieder zur Wasseroberfläche geführt zu werden. „All das hier ist Natur pur – und die lässt sich in einem Paddelboot am besten erleben“, schwärmt die Jugendwartin. Allerdings erlebt sie diese Glücksmomente vor allem dann, wenn sie alleine oder mit nur wenigen Mitpaddlern unterwegs ist. Wenn dagegen ein Großteil der jungen Paddler – 43 gibt es davon in dem Verein – auf die Wasseroberfläche drängen, dann ist von Stille und Idylle kaum noch etwas zu sehen und nichts mehr zu hören. „Die erste, laute Begeisterung legt sich aber sehr schnell. Und wenn die Muskeln richtig arbeiten, dann wird es schnell verdächtig still“, sagt Alexandra Gembruch mit einem Lachen im Gesicht. Überhaupt überwiegt hier der Spaß. Die Freude an der gemeinsamen Bewegung, das Sich-gegenseitig-Mut-Zusprechen. Denn was vom Ufer aus so leicht aussieht, entwickelt sich im Boot sitzend zu einem echten Kraftakt. „Der Laie setzt häufig seine Muskelkraft nicht richtig ein und fährt eher zickzack von Ufer zu Ufer als ganz normal geradeaus“, weiß die begeisterte Paddlerin und zeigt den jungen Wassersportlern, wie eine kleine Gewichtsverlagerung im Kanu schon Großes bewirken kann. Apropos Kanu, wer hier mitfahren möchte, der braucht sich um den Kauf einer wertvollen und damit kostenintensiven Anschaffung erst einmal keine Gedanken zu machen. „Wer zu uns kommt, der braucht festes Schuhwerk, ein Handtuch und Wechselklamotten“, zählt die Jugendwartin auf. Mehr muss und sollte es anfangs gar nicht sein. Dafür darf aber etwas anderes auf keinen Fall fehlen. „Wir nehmen nur die mit, die wirklich schwimmen können – sonst ist uns das Risiko einfach zu groß.“ Selbst auf der Else, die manches Mal nur einen halben Meter Wasser führt, gilt diese Regel immer. Wird die Bedingung aber erfüllt, steht dem Paddelvergnügen nichts mehr im Wege. Dabei gebe es auch die, die skeptisch und eher mitleidig auf Paddler und den überschaubar kleinen und schwach dahingleitenden Fluss schauen. „Aber die Else ist zum Üben genau das richtige Gewässer. Da gibt es keine Strömung, gegen die anzupaddeln ist. Da stellen sich keine Stromschnellen in den Weg, die für Turbulenzen im Boot sorgen – also eigentlich ist es das ideale Gewässer, wenn man es eher gemütlich mag“, sagt die, für die genau das zutrifft, wenn es um die Auswahl des Paddelterrains geht. Wenn sie es etwas aufregender möchte, dann fährt sie zur Weser; Wildwasserfahrten, wie sie etwa im Sauerland möglich sind, treffen dagegen nicht ihren Geschmack. Dann doch lieber mit den vielen Jungpaddlern in den bunten Vereinsbooten über die Else fahren. Ein kleiner Zwischenspurt mit allzu Aufmüpfigen, dann wieder Tipps rund um die richtige Paddeltechnik geben – das sind die Paddelabende, die Jugendwartin wie Jungpaddlern am besten gefallen. Mitmachen kann hier jeder, der schwimmen kann. Und auch eine Vereinszugehörigkeit ist anfangs nicht nötig. „Reinschnuppern ist bei uns ganz ohne Risiko erlaubt und erwünscht“, stellt Alexandra Gembruch gleich zu Beginn lachend klar. Jeden Freitag von 18 bis 20 Uhr ist Start am Kanu- und Segelclub in Bünde. Und immer geht es in Richtung Westen, immer der Sonne entgegen. Dabei muss der, der erstmals in das anfangs doch sehr wackelige Kanu steigen möchte, nicht zwangsläufig Kind oder Jugendlicher sein. „Das Alter ist eigentlich ganz egal, spielt keine echte Rolle. Bei uns kann jeder einmal in den Paddelsport reinschnuppern“, sagt Alexandra Gembruch noch, dreht eine letzte kleine Runde und verschwindet dann in Richtung Rödinghausen. Immer der Sonne entgegen.