06/2012

Der Natur entgegen

Auf dem Naturerlebnispfad

Die langsamen, kurzen Schritte sind nichts für Herwart Siebert. Wenn der Förster im Wiehengebirge unterwegs ist, dann mit schnellem Schritt. Dabei sei es eigentlich egal, wie schnell oder langsam man im Wald unterwegs sei, Hauptsache, man finde überhaupt den Weg ins Wiehengebirge. 

 

„Mir hat mal ein zehnjähriger Junge aus Ostkilver erzählt, dass er noch nie im Wald war – das sollte einem doch wirklich zu denken geben“, so Herwart Siebert. Ab sofort gibt es zwei neue Gründe, durch das Wiehengebirge zu wandern, denn nun konnten auch die B- und die C-Schleifen des Naturerlebnispfades eröffnet werden. „Manchmal brauchen die richtig guten Dinge dann doch etwas länger, bis sie fertig sind“, sagt dann auch Ernst-Wilhelm Vortmeyer, der berichtete, dass bereits 2002 die Idee geboren worden war, durch einen solchen Naturerlebnispfad die Attraktivität der Wiehengemeinde noch weiter zu steigern. Träger der Aktion ist der Verein zur Dorfverschönerung Rödinghausens, treibende Kraft auch die Forstverwaltung, die ein großes Interesse daran hat, Stationen wie „Lebensraum für Tiere“, „Wurzelwelt“ oder „Holz klingt“ einer möglichst breiten Öffentlichkeit nahezulegen. „Wir haben hier mit der Jugendherberge ein großes Pfund, mit dem wir wuchern können“, erzählt der Förster, als er gemeinsam mit Vertretern aus Vereinsleben, Verwaltung, Politik und Wirtschaft zum ersten Mal auf den beiden neuen Schleifen des Naturerlebnispfades entlangwandert. Wenn man jetzt ein Angebot machen könne, das die vielen Jungen und Mädchen, die hierherkommen, in den Wald locke, dann sei das wichtig und richtig, so der Förster. Vorbei die Zeiten, in denen eine Schnitzeljagd herhalten muss, jetzt lockt ein gutes dutzend Stationen, laden diese dazu ein, sich mit dem Wald, seinen Bewohnern näher auseinanderzusetzen. So stehen die Spaziergänger bei der Premierenwanderung am Duftpflanzenlabyrinth, die Augen verschlossen, Minze in der Hand und ratend, was sich da Duftendes vor ihrer Nase ausbreitet. Einige Wanderwege weiter die Station „Bodenanschnitt“, in der Klapptür und Glasplatte einen im wahrsten Sinne des Wortes tiefen Einblick in das Leben unter der Erdoberfläche ermöglichen. Überall weisen kleine, an Bäumen befestigte Schilder den Weg, reihen sich die Stationen aneinander, deren Inhalte auf Informationstafeln erklärt werden. Eine, die nicht lange gelesen, sondern gleich alles ausprobiert hat, ist Benita Horstmeier. An der Station „Wohnwelten“ baut sie mit weiteren Kindern unter der Anleitung von Tina Niermann Unterstände, Tipis, ganze Hütten aus Ästen, Zweigen und Blättern. Die Vorbeiwandernden staunen, bleiben stehen, fassen mit an und ziehen dann weiter. Am Nonnenstein wartet ein deftiges Mittagessen, einige Wanderminuten weiter wartet an der Klangstation schon der nächste Höhepunkt auf, die die durch ihr Engagement, ihre finanzielle Unterstützung den Naturerlebnispfad erst möglich gemacht haben. Fertig ist das Vorhaben aber dennoch noch nicht. „Wir haben noch einiges vor. So soll das Atrium, gedacht als Klassenzimmer unter freiem Himmel, im Herbst eröffnet werden“, sagt Herwart Siebert, der auch darauf setzt, dass bald schon ein Sponsor die Anschaffung eines Rucksacks möglich macht, in dem sich das passende Infomaterial zu den einzelnen Stationen befindet und der im Haus des Gastes ausgeliehen werden kann. Führungen soll es auch geben – viel zu tun also, um die Menschen noch stärker als bisher in den Wald zu locken. Erwandern sollten sie dieses, nicht erlaufen. „Ich werde von Joggern immer wieder gefragt, wo sich denn die Tiere verstecken, die auf der Infotafel abgebildet sind“, sagt Herwart Siebert mit einem Schmunzeln. Man solle sich schon ein wenig Zeit lassen, rät der Förster. Und dann spaziert, nein, wandert er großen Schrittes weiter. Es gibt halt viel zu entdecken, im Rödinghauser Teil des Wiehengebirges.