08/2012

Unter Freunden

Das Freundschaftsspiel

Eigentlich ist Mitte Juli die fußballfreie Zeit. Ein wenig Training vielleicht, Pflichtspiele, echte Fußballfeste aber? Sind in diesem Sommermonat nicht vorgesehen. Wäre da nicht ein sportliches Großereignis gewesen, das die Massen mobilisierte und begeis­terte. Und schon morgens um zehn Uhr dafür sorgte, dass die ersten – wenn auch Organisatoren – ins Häcker ­Wiehenstadion kamen.

Fünf Stunden später ist im wahrsten Sinne des Wortes alles geregelt. Ordner von Sicherheitsdienst und Feuerwehr regeln die automobile Anfahrt, ­Busse bahnen sich den Weg durch die Fußgänger und fahren die, die ihr Auto abseits stehen ließen, zum Stadion. Ganz gewitzte bringen gar mit dem Zug anreisend ihr Fahrrad gleich mit und strampeln hoch zum Stadion, wo ein Fußballfest auf rund 2.200 Fans wartet, das es so am Wiehen noch nicht gegeben hat. „Ich habe immer davon geträumt, einmal das Ausverkauft-Schild ans Häuschen hängen zu können“, erzählt Gerhard Schiermeier – an diesem Sonntag ist der Wunsch in Erfüllung gegangen. Zuvor aber wartete eine organisatorische Arbeit auf die Verantwortlichen, die ebenfalls rekord­verdächtig war. Wie die 2.200 Besucher über die Baustelle ins Stadion locken? Wie den spanischen Journalisten eine Live-Übertragung des Spiels ermöglichen? Wie kurz vor Spielbeginn noch den Rasen wässern, um die ­Bewegung des Balles und damit das Spiel der Spanier noch schneller machen? Fragen, die alle noch vor dem Anpfiff beantwortet werden mussten.

„Am Ende stellt die sich aber keiner mehr, da zählt nur das Ergebnis – und das ist mehr als begeisternd“, sagte dann auch Ernst-Wilhelm Vortmeyer, als er nur wenige ­Augenblicke vor dem Einzug der Mannschaften erstmals durchatmen kann. Die spanischen Journalisten haben längst eine kleine Ecke gefunden, um ­ihren Übertragungswagen in Position zu bringen. Und sich erstaunt gezeigt, dass das hier ein Sechstligist sein soll. „Wir dachten, wir spielen heute gegen einen Dritt- und in der ­Woche gegen Arminia als Zweitligisten“, erzählte ein Kollege und will nicht glauben, dass diese Kulisse hier ein Sechstligist aufgeboten hat. Diese Kulisse, die besteht nicht nur aus den begeisterten Fans, sondern auch aus drei Fallschirmspringern, die den Spielball punktgenau ins Stadion bringen. Aus den SVR-Amigos, die Stimmung und Spiel ­anheizen, aus azurblauem Himmel mit Schäfchenwolken, eben aus „einem perfekten Freundschaftsspiel“, so der erste SVR-Vorsitzende. Der sieht in der ersten Hälfte gar eine Heimmannschaft, die sich erfolgreich gegen den offensiven FC Valencia wehrt. „Auf Sieg können wir hier wohl nicht spielen“, hatte SVR-Trainer Mario Ermisch schon vor Beginn der ­Begegnung mit einem Augenzwinkern erklärt. Und so schaute er zu, wie seine komplett neu formierte Hintermannschaft schon jetzt, nur eine Woche nach Trainingsauftakt einen soliden Eindruck machte. Sich gegen die Angriffe stemmte, immer wieder doch noch ein Bein dazwischen bekam, doch noch den Abschluss verhinderte. Klappt das einmal nicht, glänzte Torwart Jan Schönwälder mit sehr guten Paraden gegen einen Gegner, der zur Halbzeit seine komplette Elf auswechselte. Dem Spielverlauf aber tat das keinen Abbruch, und so kombinierten die Spanier lustig weiter, während sich die Spieler des SV Rödinghausen auf die ­Defensive konzentrierten und immer ­wieder in letzter Sekunde retteten. Vier Mal in 90 Minuten klappte das nicht, und so stand es am Ende standesgemäß und nicht unerwartet 0:4. Das eigentliche ­Ergebnis aber war ein anderes. Eines, das zeigt, dass Fußball auch in der an sich fußballarmen, in der Ferienzeit funktioniert. Dass zusammen mit den vielen Spielmöglichkeiten für Kinder und Junggebliebene oben auf dem Kunstrasenplatz, mit der spanischen Musikeinlage, mit einem erstklassigen Gegner ein Fußballfest entstand, das vieles vergessen ließ. Etwa, dass der Gegner eigentlich mal Glasgow Rangers heißen sollte. Oder, dass eben noch Stunden vor dem Anpfiff vieles ungelöst erschien. Und sich plötzlich auf wunder­bare Weise, genau zur rechten Zeit, in Nichts auflöste.