11/2012

Nachhaltig präsent

Ein Interview mit den WAGE-Vorstandsmitgliedern Siegfried Lux und Marcel Hoffmann

Sehr geehrter Herr Lux, sehr geehrter Herr Hoffmann, ein ganzes Jahr WAGE liegt hinter Ihnen. Wie würden Sie das zurückliegende Jahr beschreiben? War es ein gutes oder ein schlechtes Jahr?
Siegfried Lux und Marcel Hoffmann: Ein anstrengendes Jahr! 
S.L.: Ich denke, dass ich da für den ganzen Vorstand spreche. Bei WAGE-Gründung im Oktober des letzten Jahres hatten wir uns ja schon einige Aktivitäten vorgenommen. Wir wollten dabei aber klein anfangen und langsam starten. Das Gegenteil war dann allerdings der Fall! Es ging schon ziemlich rasant mit der Entwicklung der Mitgliederzahl nach oben, sodass bereits im Januar dieses Jahres 50 Mitglieder unter dem Logo „Ich Wage Rödinghausen“ vertreten waren. Mit all dem, was dann an Organisatorischem zusätzlich zu den Eventbegleitungen auf uns zukam, waren wir schon gut ausgelastet. Aber wir wollen hier in Rödinghausen ja auch etwas bewegen, gemeinschaftlich. Heute mit bereits 68 WAGE-Mitgliedern. 

Sie sprachen von einem anstrengenden letzten Jahr. Welche Ereignisse meinen Sie damit konkret?
S.L.: Wir haben zum Beispiel die Veranstaltung „Tag der Regionen“ mitorganisiert; mitorganisiert deswegen, weil das ohne die Gemeinde nicht denkbar gewesen wäre. „Tag der Regionen“ war Neuland für uns. Aber für uns auch ein ganz wichtiger Tag. Mit letztendlich hundert Anbietern haben wir dieses Jahr schon auch Spitzenwerte erreicht. So, wie es sich jetzt gestaltet hat, auch mit den Außenstellen, war es grenzenüberschreitend. So viele Leute unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer ganz einfach und auch hier gilt der Spruch: Gut gemeint ist nicht immer auch gut gemacht. Wir lernen aber auch hier dazu. Trotzdem war es schon ein sehr erfolgreicher Tag mit vielen Tausend Besuchern.

Was ist aber der gemeinsame Strang, an dem Sie alle ziehen? 
S.L.: Wir wollen auch morgen noch den Bürgern vor Ort Qualität und unsere kundennahen Angebote präsentieren können. Das sind nämlich unsere Stärken. Und das geht nur, wenn wir zusammenarbeiten. Das ist unser Ansatz! Heutzutage in der globalisierten Welt müssen Sie erlebbare Regionalität gegen die allgegenwärtige Globalität stellen. Nähe ist der Gedanke, der sich hier ganz stark auch in der Bevölkerung wiederfinden muss. Wer seine Geldgeschäfte nur über Internetbanken abwickelt, trägt dazu bei, dass die Sparkassen und Volksbanken vor Ort abgezogen werden. Wer auch in 10 Jahren noch Handwerker am Ort haben will, muss ihnen jetzt Aufträge erteilen.

Wie schaffen Sie es denn, die Bürger in diese regionale Wertschöpfung einzubinden?
S.L.: Einbinden heißt für uns erst einmal, bekannt zu werden und vorhandene Leistungen erlebbar zu machen. Und bekannt werden wir über Aktionen! Zum Beispiel, indem die WAGE die Kurparkeröffnung oder das Sportevent mitbegleitet oder mitgestaltet hat. Oder auch mit eigenen Veranstaltungen unserer Mitglieder, wie das Kinderritterfest, das Blütenfest oder das Oktoberfest, können wir auf uns aufmerksam machen und die vorhandene Qualität zeigen. Auch das Sommerfest war da so eine Möglichkeit. Die Menschen haben dort festgestellt, dass die WAGE auch Überraschendes kann – z.B. eine Modenschau mit örtlichen Models. Die Dorfstraße ist jetzt ja auch eine gute Plattform dafür. Noch mehr Leute aus dem Umfeld anzusprechen, könnte auch eine weitere Vision für die Zukunft sein. „Mittwochs in Rödinghausen“, das stelle ich mir als Überschrift und Programm auch in der Außenwirkung vor. Da könnten interessierte Verbraucher aus Rödinghausen und Umgebung einen erlebnisreichen Einkauf in Marktatmosphäre mit Natur und gepflegter Gastlichkeit verbinden. Unsere vielen Vereine könnten sich an so einem regelmäßigen Tag auch verantwortlich mit einbinden und zeigen. Vorerst allerdings mangels Programm nur eine Vision. Aber auch Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden! 

Wie ist das Feedback der Bürger?
S.L.: Vielfach hören wir von den Bürgern, da will ich mitmachen. Da wir aber grundsätzlich eine Gemeinschaft sind, die überwiegend mit Geschäftsleuten, also mit Kaufleuten, Erzeugern, Gewerbetreibenden, Dienstleistern und Gastronomen, unterwegs ist, können wir den Bürger als Privatperson nicht aufnehmen. Trotzdem stehen die Bürgerinteressen und Wünsche für uns im Mittelpunkt und wir freuen uns über jede Anregung. Gleichzeitig sind die wirtschaftlichen Interessen unserer Mitglieder nicht zu vernachlässigen, um auch nachhaltig wirken zu können. Wir wollen zeigen, dass wir in Rödinghausen auch zukünftig wirtschaftlich erfolgreich sein können. Nachhaltiges Wirken wird für uns alle nur möglich sein, wenn wir Werte bewahren und einhalten, aber auch Verantwortung übernehmen – das gilt nicht nur für die WAGE. Hier gibt es natürlich auch kritische Stimmen, da wir in der kurzen Zeit bisher nicht alle Betroffenen überzeugen und erfolgreich mitnehmen konnten. Grundsätzlich kann man sagen, dass in Bezug auf Feedback der Rödinghauser Bürger eher zurückhaltend ist. Durch meinen Kontakt zu vielen Menschen höre ich aber immer wieder bestätigende Worte. Und so erreichen uns dann auch Hilfsangebote, z.B. für den Arbeitseinsatz beim Hüttenaufbau im Rahmen des Weihnachtsmarktes.

Bleiben wir noch kurz bei einem Thema, das Sie selbst schon angeschnitten hatten. Sie sprachen soeben von Visionen – wo, glauben Sie, stehen Sie in fünf Jahren? Was ist Ihr Ziel für die Zukunft?
S.L.: Ich stelle mir vor, dass man in der Gastronomie noch aktiver werden kann. Wir haben hier eine bunte Vielfalt zu bieten, damit kommen wir aber noch nicht überall in unserem Umfeld an. Da könnten wir für meinen Geschmack noch etwas mehr Leuchtturm spielen und die Außenwirkung erhöhen. Eine kulinarische Meile, wie auch immer man die gestaltet, ist eine Idee. „Melle tischt auf“ ist zum Beispiel in unserer Nachbarschaft eine Aktion, die mir gut gefällt. Wir wollen da auch ein bisschen zurück zu den Wurzeln. Unser Motto ist ja auch „Zurück in die Zukunft“, also das Gute aus der Tradition nehmen, um es in die heutige Zeit zu transferieren. Verlässlichkeit, aber auch Internet mit Facebook-Kommunikation ist dabei ein Thema. Erste Schritte in diese Richtung bieten wir auf unserer Homepage unter www.wage-roedinghausen.de an.

Haben Sie, Herr Hoffmann, denn das Gefühl, dass speziell auch Sie als junge Generation da mitgenommen und konkret angesprochen werden?
M.H.: Konkret angesprochen in der Kundschaft auf meine Vorstandstätigkeit werde ich eigentlich nicht so häufig. Aber ich höre immer wieder auf Festen, an denen wir als WAGE beteiligt waren, du, das habt ihr toll gemacht, dies oder jenes ist gut geworden. Das ist natürlich Ansporn für die Zukunft. Vielleicht ist aber zukünftig weniger auch mehr.

Welche Schlüsse ziehen Sie daraus? Resultiert daraus auch die Idee, mal eine gezielte Ansprache gerade für junge Leute zu entwickeln? Die junge Generation in die Verantwortung zu nehmen?
M.H.: Das wollen wir ja auch zukünftig umsetzen. Das junge Volk hier im Dorf soll schon mehr miteinbezogen werden, darum arbeite ich als junger Mensch hier im Vorstand mit. Zukunft heißt eben auch, dass die jungen Bürger Verantwortung übernehmen müssen.
S.L.: Ich denke auch, wir müssen alle mitnehmen, die Jungen und auch die Alten, denn unsere Gesellschaft wird immer älter. Generationsübergreifendes Miteinander ist hier das Stichwort. Das, was wir schon erlebt haben, werden wir weitergeben und die Jungen können ihre Ideen für die Zukunft mit Hilfestellung der Älteren besser umsetzen. 

Nun werfen wir doch mal zum Abschluss einen Blick auf die Vorbereitungen zum Weihnachtsmarkt. Die WAGE spielt da ja eine nicht unwichtige Rolle! 
S.L.: Ja, richtig. In der Initiativgruppe „Weihnachtsmarkt“ sind viele beteiligt, natürlich sind auch WAGE-Mitglieder aktiv dabei. Bei einer mittlerweile so großen Veranstaltung ist es unbedingt erforderlich, dass die öffentliche Hand die Rahmenbedingungen steckt, nicht nur in sicherheitstechnischer Hinsicht. Deshalb ist und bleibt die Gemeinde auch Ausrichter dieser Veranstaltung. Aber ohne Ehrenamt und freiwillige Helfer gäbe es eben auch keinen Weihnachtsmarkt in Rödinghausen. Hier sind besonders auch die Feuerwehr und Jugendfeuerwehr zu nennen, wenn wir schon von den jungen Leuten sprechen. 

Wieso ist dieser Weihnachtsmarkt so wichtig für Rödinghausen? Welche Rolle spielt er hier in der Gemeinde?
S.L.: Ich spreche hier immer gerne von Traditionen. Also der Nikolaus, der aus dem Wald kam, und die Feuerwehr-Aktionen. Seit 50 Jahren gibt es die schon! Auch wenn sich Menschen irgendwann mal aus Rödinghausen verabschiedet haben, aber an Weihnachten wieder zurück zur Familie und zu Freunden in die Heimat kommen, dann ist man gerne in geselliger Gemeinschaft. Entschleunigung und stimmungsvolle Rückbesinnung auf Kindheitserlebnisse – und das zusammen mit Kindern, Enkeln, Großeltern, Eltern und Freunden. Diese Tradition wollen wir wieder in den Vordergrund rücken und einen stimmungsvollen Rahmen geben. Dadurch wird Rödinghausen auch als Ort und Lebensmittelpunkt interessanter.

Wie viele Stände haben Sie im Augenblick?
S.L.: Momentan sind es 20 Holz-Hütten, die wir selbst zur Verfügung haben. Aber natürlich kommt dann noch das Haus des Gastes dazu, wo sich noch einiges abspielen wird. Im vergangenen Jahr hatten wir insgesamt knapp 50 Anbieter!

Wie kooperieren Sie mit den lokalen Vereinen? Sind die eingebunden in die Arbeit?
S.L.: Ja, die sind eingebunden, nicht nur, indem sie sich präsentieren können, sondern auch durch ihre Mithilfe. Besonders schön war es im letzten Jahr, als wir über 200 freiwillige Helfer hatten!

Wie wird das in diesem Jahr aussehen?
S.L.: Da sind wir gerade auch mit Gemeindehilfe professioneller geworden und setzen nicht nur drauf, dass freiwillige Helfer von alleine kommen. Im Vorfeld haben wir Gruppen gebildet, die sich um die einzelnen Bereiche wie Aufbau etc. kümmern. Die weihnachtliche Beleuchtung der „Alten Dorfstraße“ wird wie im letzten Jahr in der Adventszeit und zum Weihnachtsmarkt den festlichen Rahmen bilden. Ein Shuttle-Service wird es für auswärtige Besucher auch wieder geben und natürlich kommt auch der Weihnachtsmann wieder aus dem Wald. Das Preisausschreiben der WAGE darf dabei natürlich auch nicht fehlen. „Mein schönstes Erlebnis auf dem Rödinghauser Weihnachtsmarkt“ – hier sind auch fantasievollen Kunstwerken in Wort und Bild keine Grenzen gesetzt. Zur Belohnung gibt es für die Gewinner noch vor Weihnachten eine schöne Überraschung.

Wie weit sind die Vorbereitungen gediehen?
S.L.: Die Anbieter sind alle im Bilde, wir haben die meisten Rückmeldungen schon erhalten. Im Bereich Event ist noch nicht alles in trockenen Tüchern. Die Besucher können aber schon jetzt in froher Erwartung auf ein tolles Programm mit einigen Überraschungselementen sein.
Wir freuen uns auf alle großen und kleinen Gäste, die sich am 8. und 9. Dezember traditionell mit ausschließlich handgemachter Musik auf die Adventszeit einstimmen lassen wollen.

Das Motto heißt auch dieses Jahr wieder: Rödinghausen wartet auf Weihnachten! – festlich – glänzend – stimmungsvoll – duftend – märchenhaft – handgemacht – traditionell – selbstgemacht!