12/2012

Familienbande

Kinderreich in Rödinghausen

Ein gut überlegter Speiseplan geht dem wöchentlichen Großeinkauf von Familie Klassen voraus, bei dem dann nicht nur die Eltern Erika und Heinrich Klassen, sondern auch abwechselnd die älteren Kinder mit anpacken.

Denn Josua, Benjamin, Elisabeth, Philipp, Michael, Samuel und Timon, die sieben Kinder der Familie Klassen wollen und sollen gut versorgt sein. „Dabei werden beispielsweise schon neun bis zehn Liter Milch pro Woche benötigt“, erzählt die 36-jährige Erika Klassen. Für sie ist der Alltag aber nur eine Frage der Organisation. So gibt es bei ihr beispielsweise fest geplante Wäschetage. „Ich habe mir angewöhnt, mich nur an zwei festen Tagen der Woche der schmutzigen Wäsche zu widmen – an diesen Tagen läuft die Maschine dann aber richtig heiß“, sagt sie fröhlich. Dass so einer Organisation und der Entscheidung zur Großfamilie vor allem Respekt gezollt werden sollte, zeigt die Ehrenpatenschaft, die der Bundespräsident Joachim Gauck nun für den viermonatigen Timon, das siebte Kind der Klassens, übernommen hat. Ein Brauch, der seit 1949 besteht und so die besondere Bedeutung kinderreicher Familien für die Gesellschaft herausstellen soll. „Wir hatten schon einmal davon gehört, aber es inzwischen wieder vergessen“, erzählen Erika und Heinrich Klassen, die dementsprechend überrascht waren, als die Gemeindeverwaltung bei ihnen anrief, um sie über die Ehrenpatenschaft zu informieren. Am 27. Oktober nahmen Timons Eltern stolz die Patenschaftsurkunde und ein Geldpräsent des Bundespräsidenten im Rahmen der 9. Rödinghauser Neugeborenenbegrüßung entgegen. Vor zehn Jahren ist Familie Klassen nach Rödinghausen gezogen, Erika Klassen wuchs in Bielefeld auf und Heinrich Klassen in Bünde. „Wir haben dann ein passendes Grundstück zum Bauen gesucht und hier in Rödinghausen gefunden“, so Heinrich Klassen über die Entscheidung in die Gemeinde zu ziehen, „hier ist das Leben sehr familiengerecht.“ Und Erika Klassen ergänzt: „Zum einen ist der Schulbus zu Fuß zu erreichen und gleichzeitig ist es hier schön ländlich, und ich muss mir keine Sorgen machen, wenn die Kinder vor der Tür spielen.“ Und bei der Gelegenheit sind in die andere Doppelhaushälfte gleich die Eltern von Erika Klassen mit eingezogen. „Sie unterstützen uns im Alltag sehr“, so Erika und Heinrich Klassen. Ob es nun sieben Kinder bleiben sollen, wissen die beiden noch nicht. Zu schön sei das Gefühl, ein Baby in den Armen zu halten. Aber natürlich gibt es auch anstrengende Momente. „Wenn morgens die Kinder ihre Schulsachen geschnappt haben und auf dem Weg zur Schule sind, dann ist der Frühstückstisch schon ein Schlachtfeld“, so Erika Klassen lachend, deren Tag um 5.30 Uhr beginnt, „das ist wie eine Rushhour morgens.“ Und dennoch, wenn die Kinder, der älteste Sohn Josua ist 12 Jahre alt, mittags wieder heimkommen, dann hat sie das Chaos schon wieder beseitigt. Dann wird, wenn möglich mit der ganzen Familie gemeinsam gegessen. „Darauf legen wir großen Wert“, erzählt Herr Klassen, der ausschließlich in der Nachtschicht für einen Verpackungshersteller in Melle arbeitet. Und „Nacht“ ist auch das passende Stichwort, wenn man die Kinder fragt, was das schönste an den vielen Geschwistern sei. „Das gemeinsame Schlafen in einem Zimmer“, sagt der fünfjährige Michael fröhlich, der sich mit zwei seiner Brüder ein Zimmer teilt. „Ja, das gemeinsame Schlafen“, ergänzt sein Vater und schmunzelt, „und das Gequatsche vor dem Einschlafen.“