06/2013

Das flutscht

Wer kann sich schon 1. Deutscher Juniorenmeister im Wettrutschen nennen? Nils-Erik Nobbe kann das.

Er holte am 23. März im Ostseebad Scharbeutz den außergewöhnlichen Titel. Wir haben ihn im Rödinghauser Freibad getroffen, wo er uns stolz und mutig – bei acht Grad Celsius Lufttemperatur und leichtem Nieselregen – zeigt, wie er auf das Siegertreppchen flutschte.

145,5 Meter ist die Green Mamba lang. So heißt die Röhrenrutsche im Ostseebad Scharbeutz vielversprechend. Der 12-jährige Nils-Erik brauchte nur 20,98 Sekunden, um von der Lichtschranke am Anfang der Röhre zu der am Ende zu rutschen. Und konnte so die anderen 39 Kinder auf der Rangliste hinter sich lassen. Dabei hat er doch das Wettrutschen erst im letzten Jahr durch Zufall für sich entdeckt. „Ich war mit meinem Vater im Freizeitbad Atoll in Espelkamp, dort entdeckten wir einen Wasserrutschen-Wettbewerb“, erzählt Nils-Erik von den Anfängen seiner Wasserrutschen-Karriere. Nach kurzer Übungszeit und einer erfolgreichen Teilnahme war die Begeisterung für die ungewöhnliche Wassersportart geweckt. Seitdem touren Vater und Sohn quer durch die Region, um an Wasserrutsch-Wettbewerben teilzunehmen. Bei der 1. Deutschen Juniorenmeisterschaft konnte sich Nils-Erik vorneweg für das Geolino-Team qualifizieren. Mit einem Foto, das ihn selbst im tiefsten Winter beim Training zeigte, begeisterte er die Redaktion des bekannten Kindermagazins. So gewann er sogar einen Aufenthalt für die ganze Familie in einem Fünf-Sterne-Hotel für die Zeit der Meisterschaft im Ostseebad am Timmendorfer Strand. „Wir hatten eine tolle Zeit und sind eigentlich nur mit dem olympischen Gedanken dahin gefahren. Dass Nils-Erik mit einem Riesenabstand die Meisterschaft gewinnt, damit hätte keiner gerechnet“, erzählt der Wasserrutschen-Juniorenmeister-Vater Arnd Nobbe stolz.

Aber was ist denn nun das Erfolgsgeheimnis des jungen Meisters, wollen wir von ihm wissen. „Ich habe mir mit meinem Vater Videos im Internet angeschaut“, erzählt der 12-Jährige, „wichtig ist, auf den Fersen und den Schulterblättern zu rutschen und ein starkes Hohlkreuz zu machen, den Kopf stütze ich mit den Händen.“ Dass Nils-Erik das mit solch einer Leichtigkeit kann, ist schon ein Erfolg für sich, wie seine Mutter Christiane Nobbe erzählt. Leidet ihr Sohn doch schließlich an Rheuma. Anfangs waren die Eltern noch unsicher, ob das Rutschen überhaupt gut sei. Doch nach Absprache mit seinem Arzt, ließen sie ihn einfach machen. „Seitdem hat er so gut wie keine Beschwerden mehr, die Aktivität und der Erfolg zeigen wohl ihre Wirkung“, erzählt die Mutter froh. Doch zurück zur Sache. Der Juniorenmeister ist bereits die Treppe zur Wasserrutsche im Rödinghauser Freibad hinauf.

„Nicht jede Rutsche ist für solche Wettbewerbe geeignet“, erzählt er noch, stellt sich dann in Position. „Eine professionelle Wasserrutsche muss Lichtschranken haben, damit die Zeit exakt gemessen werden kann, da geht es schließlich um hundertstel Sekunden. Und eine Haltestange zum Schwungholen, die braucht man auch“ , sagt er – und flutsch, ist er weg.